Badische Neueste Nachrichten, 04.04.2026, Roland Spether
Pater Rony Manthottam setzt Gründonnerstags-Ritual fort / Kunstgegenstand von einst heut in Boston
Achern. Als sich die „zwölf Apostel“ von Oberachern auf die Fußwaschung an Gründonnerstag vorbereiteten, taten sie dies in der historischen Turmkapelle nahe bei einem Zeugen von Pfarrer Johannes von Bergzaubern.
Der Seelsorger hatte vor mehr als 550 Jahren „zu Nutz, Ehre und löblicher Zierde“ die Gründonnerstags-Stiftung als Liebesdient für arme Menschen gegründet. In der Turmkapelle befindet sich ein Gedenkstein in Erinnerung an den „Rektor der Kirche“ Johannes von Bergzauber mit der Jahreszahl 1457, sodass es sich vermutlich um die Steinplatte auf dem Grab des Priesters handelt.
An dessen Auftrag hielten die Oberacherner fest, wie dies jetzt wieder in einem festlichen Gottesdienst sichtbar wurde. Denn Pater Rony Manthottam wusch zwölf Männern die Füße, womit er jenen Dienst Jesu nachvollzog, den er kurz vor seinem gewaltsamen Tod am Kreuz im Abendmahlsaal in Jerusalem an seinen Aposteln vornahm.
Die Stiftung wurde am 7. Mai 1470 durch Vogt Jörg Röder beurkundet. Die sieben Heiligenpfleger (Stiftungsräte) erhielten von ihrem Pfarrer 80 rheinische Gulden für das Verteilen von Brot und Leinen. Auch mussten sie zwölf „hausarme Mannspersonen“ auswählen, die jene zwölf Apostel repräsentieren sollten, mit denen Jesus das Abendmahl feierte. Damit begründete er im Zeichen von Brot und Wein die Eucharistie und gab den Auftrag an seine Jünger und die Christen bis heute: „Tut dies zu meinem Gedächtnis“.
Mit der Fußwaschung setzt er ein Zeichen der Nächstenliebe. Denn das Waschen der Füße gehörte nach einem Gang über staubige Straßen barfuß oder in Sandalen zum nötigen Akt der Reinigung und zu einer Geste der Freundschaft. Diese Ehre war Aufgabe der Diener und Sklaven, doch Jesus symbolisiert damit sein Leben, bis zum Tod für die Menschen da zu sein. Diese Botschaft hatte Johannes von Bergzaubern verstanden, als er in einer bettelarmen Zeit mit Hunger, Krankheiten, Ängsten und Aberglaube eine Stiftung gründete, um armen Menschen zu helfen.
Interessant ist, dass er auch Arme aus Nachbardörfern Niederachern, Fautenbach und Gamshurst mit Brot bedachte und bei Bedarf an Arme auch auf Sasbach, Großweier und Waldulm ausweitet. Damit bezog er sein Herzensanliegen nicht nur auf „seine“ Gemeinde, sondern weitblickend auf einen großen Verband von Pfarreien. Der fromme Stifter muss auch ein Liebhaber schöner Dinge gewesen sein, denn zur Fußwaschung wurde ein kunstvolles Gießgefäß aus dem 14. Jahrhundert benutzt, das Samson auf dem Rücken eines Löwen zeigt. Die Pfarrei verkaufte das Unikat 1881 zur Finanzierung des Kirchenbaus für 8.000 Mark. Wenige Jahre später trat es nach Recherchen des Historikers Eugen Beck (Achern) für eine sechsstellige Summe den Weg nach Amerika an und ist heute im Museum of Fine Arts in Boston zu bewundern.
An der Gündonnerstag-Stiftung der Fußwaschung, die an den Dienst Jesu im Abendmahlsaal in Jerusalem erinnert, hält auch Pater Rony Manthottam fest. Foto: Roland Spether